Porträts Porträt:Urs Paul Ramseier
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Urs Paul Ramseier, Automobil-Historiker, Wila

Immer in der ersten Reihe

Wenn es um historische Automobile geht, dann stösst man immer wieder auf einen Namen: Urs Paul Ramseier. Der in Wila, im Tösstal, lebende Heimweh-Berner investiert praktisch die ganze Freizeit in sein aufwendiges Hobby. Die Automobil-Revue verlieh ihm den inoffiziellen Titel «Automobil-Historiker», denn wenn es um Sammlerfahrzeuge geht, dann trifft man Urs Paul Ramseier immer in der ersten Reihe!

1957 wurde Urs Paul Ramseier in Pfäffikon, im Zürcher Oberland, geboren. Dort verbrachte er seine Jugend, und nach der Schulzeit absolvierte er eine Banklehre. Seit 1997 arbeitet er als Spezialist für Informationstechnologie am Hauptsitz der «Zürich» in Opfikon.

Erblich vorbelastet

Sein Interesse für historische Automobile ist kein Zufall: Urs Paul Ramseier ist erblich vorbelastet - sein Grossvater war einer der bekanntesten Schweizer Korosseriebauer. Fritz Ramseier war von Beruf Wagner, arbeitete als Wagenbauer und gründete zusammen mit seinen drei Söhnen 1929 die Carrosserie Worblaufen. Damals konnte der Kunde noch bestimmen, wie sein Auto aussehen soll. Bei einer Automarke (Bugatti, Jaguar, Mercedes, Bentley u.a.) wurde das Fahrgestell (Chassis) gekauft, und der Aufbau erfolgte dann nach Wunsch des Käufers in reiner Handarbeit in der Karrosseriewerkstatt der Gebrüder Ramseier in Worblaufen. Die Firma entwickelte sich erfreulich, und in den Jahren zwischen 1933 und 1950 prägte sie die Blütezeit des Karrosseriebaus entscheidend mit. Zu den Kunden zählten renommierte Personen wie der Künstler Cuno Amiet, der sich 1938 für einen Packard eine Karrosserie anfertigen liess. Ein handgeschriebener Referenzbrief bekundet, dass er mit der Arbeit der Karrosseriewerkstatt sehr zufrieden war. 1983 wurde der Betrieb eingestellt und die Liegenschaft an die PTT verkauft, heute steht auf dem Areal des ehemaligen Automobilbetriebs der Hauptsitz der Swisscom.

Der Zufall half nach

Aufgrund eines Fotoalbums des Vaters wurde Urs Paul Ramseier auf diesen Teil der Familiengeschichte aufmerksam und begann sich gleichzeitig für die Geschichte des Automobils zu interessieren. In ihm erwachte der Wunsch, ein solches Auto aus dem Familienbetrieb zu erwerben. Es gelang ihm, auf dem Markt einen kompletten, aber unrestaurierten Delahaye 135 M aus dem Jahr 1947 mit Worblaufen-Karrosserie zu kaufen. Mit enormem Aufwand wurde der Oldtimer erfolgreich restauriert. Die Eigenkonstruktion der Carrosserie Worblaufen zeugt an nationalen und internationalen Oldtimertreffen von der damaligen schweizerischen Karrosseriebaukunst. Während der Restauration stellte Urs Paul Ramseier fest, wie schwierig es war, Original-Ersatzteile zu beschaffen und dass hinter jedem einzelnen Fahrzeug eine interessante Geschichte steckt. Bei der ganzen Verwandtschaft begann er Akten, Dokumente, Baupläne und alte Fotos zu sammeln. Bei einem Augenschein in Worblaufen, nach der Beerdigung einer Tante, kam er zufällig dazu, als mit dem Abbruch des einstigen Fabrikgebäudes begonnen wurde. In einer vierwöchigen Aktion konnte er das dort noch immer eingelagerte komplette Firmenarchiv und zahlreiche Einzelteile im letzten Moment retten. Durch das Sichten der Dokumente und das Aktenstudium erwarb sich Urs Paul Ramseier nach und nach ein riesiges Fachwissen. Dabei beschränkte sich sein Wissensdurst keineswegs auf die Aufbauten aus dem eigenen Haus.

Gründung des Swiss Car Registers

1996 gründete er mit einigen interessierten Freunden das Swiss Car Register. Hier werden alle je gebauten und noch vorhandenen Fahrzeuge aus Schweizer Produktion und alle Automobile mit Schweizer Spezialkarrosserie erfasst und registriert. Dokumente, Baupläne und Fotos werden gepflegt und erhalten. Den Besitzern solcher Automobile - weltweit sind rund 350 Fahrzeuge dokumentiert - wird geholfen, den Oldtimer in den Originalzustand zurückzuversetzen und ihn zu identifizieren. Das Archiv (www.swiss-cars.ch) an der Lindenstrasse 15, in Effretikon, vermittelt an alle Interessenten wertvolle Informationen und Publikationen. Es zählt rund 130 Mitglieder, die sich regelmässig zum Erfahrungsaustausch, zu Ausfahrten und Besichtigungen treffen.

Vielfältige Aktivitäten

Im Zusammenhang mit historischen Automobilen entwickelt Urs Paul Ramseier zahlreiche weitere Aktivitäten: Er ist Initiant und Gründer des Vereins «Freunde der Klausenrennen», Mitorganisator des Concorso d'Eleganza Villa d'Este, einem exklusiven «Schönheitswettbewerb» für Oldtimer, Verfasser von regelmässigen Kolumnen im «Blick» und Realisator eines sechsteiligen Dokumentarfilms über die Entwicklung der Mobilität unter dem Titel «Vom Ochsenkarren zum Solarmobil» für das Schweizer Fernsehen. Wenn man sein Fotoalbum - aufgelockert durch zahlreiche Dankesschreiben berühmter Zeitgenossen - durchblättert, sieht man Urs Paul Ramseier an der Seite von alt Bundesrat Flavio Cotti oder zusammen mit berühmten Automobil-Designern wie Fabricio Giugiaro, Pail Bracq, Nuncio Bertone oder Sergio Pininfarino. Der 44-jährige ist eine schillernde Persönlichkeit mit erstklassigen Kontakten. Und wenn es um historische Automobile geht, dann trifft man ihn in der ersten Reihe.

© Kurt Riedberger, pbr, Dielsdorf

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