Claude Wehrli, Eisenplastiker, Ins
Ein kreativer Praktiker
Es gibt Menschen, die konsumieren Kunst durch Ausstellungs- oder Theaterbesuche, sie lassen
ihr Heim gestalten und kaufen die passenden Möbel. Beim knapp 50-jährigen Claude Wehrli
aus Ins ist das alles ein bisschen anders: Er macht Kunst in Form von Skulpturen, er spielte
Theater und führte Regie. In seinem Heim hat er eigene Ideen umgesetzt und viele der
Möbel wurden von ihm selber entworfen und realisiert. Claude Wehrli ist ein kreativer
Praktiker, der über sich selber sagt: «Ich bin manchmal ein echter Spinner».
In Wehrlis Werkstatt - im grosszügig und sehr modern konzipierten Haus in Ins, im bernischen
Seeland - entstehen phantasievolle Skulpturen aus Altmetall, aus Schrott. Oft handelt es sich um
irgendwelche Tiere, um grosse Vögel oder Phantasiewesen. Aus alten Klammern werden
Schnäbel, grosse Schrauben mit der Mutter werden zu Augen, aus Schrott wird Kunst. Es ist
eine Art modernes Recycling, wenn Claude Wehrli sägt, bohrt und die Einzelteile zu
raffinierten Skulpturen zusammenschweisst. Inzwischen waren seine Werke in verschiedenen
Ausstellungen zu sehen und die nächste ist bereits in Planung: Ab etwa Ende November
können Wehrlis phantastische Gebilde in Köniz bewundert werden.
Einen Traum realisiert
Sabine und Claude Wehrli haben sich in Ins einen Traum erfüllt. Nachdem vor rund acht Jahren
das von ihnen komplett ausgebaute Bauernhaus restlos abbrannte, standen sie praktisch vor dem
Nichts. Sie liessen sich nicht entmutigen und entwarfen erste Skizzen für ein neues Haus. In
der Kernzone von Ins präsentiert sich dieses heute als durchdachtes Meisterwerk aus Stahl und
Glas, das immer wieder von Architekten aus dem In- und Ausland zu Studienzwecken besichtigt wird.
Neben den diskret platzierten Skulpturen hat Claude Wehrli zahlreiche Einrichtungsgegenstände
selber entworfen und hergestellt. Das beginnt bei den raffinierten, bequemen Stühlen am
langen Esstisch, führt über Kerzenständer und die moderne Standuhr bis zum
Fernsehsessel und endet bei der Dampfabzughaube über dem Kochherd.
Damit es dem Ehepaar Wehrli nicht langweilig wird, bietet der grosse Garten mit Gewächshaus
und rund hundert Topfpflanzen eine ideale Alternative zur Arbeit in Büro, Haus und Werkstatt...
Vom Primarlehrer zum Generalagenten
Ursprünglich unterrichtete Claude Wehrli als Primarlehrer Kinder. Doch nach und nach reifte
die Erkenntnis, dass Lehrer oft weltfremd sind: «Man kann die heutigen Probleme nicht einfach auf
die Jugend übertragen. Bei den Kindern muss man die Kreativität fördern und sie auf
diese Art zu selbständig denkenden Erwachsenen erziehen. Dafür müsste man die Eltern
in die Schule nehmen und ihnen die Grundlagen der Erziehung vermitteln.» Also hängte der
Querdenker seinen Lehrerjob an jenen Nagel, der später in einer der faszinierenden
Schrott-Skulpturen seinen würdigen Platz finden sollte. Doch zunächst wirkte Claude
Wehrli in einer Heizungsfirma zwei Jahre lang als Geschäftsführer, wobei er nebenbei
das Schweissen erlernte.
Der Wechsel in die Versicherungsbranche ergab sich eher zufällig: Weil sein Schwiegervater,
Ruedi Gosteli - er führte die Zürich-Spezial-Agentur in Ins - mit Personalproblemen
kämpfte, half ihm Claude Wehrli bei der Bearbeitung der verschiedenen Dossiers. Das
völlig neue Arbeitsumfeld fand Anklang, und prompt blieb der vielseitig Interessierte der
Branche treu. Er besuchte Kurse, bildete sich weiter und übernahm 1987 schliesslich die
Zürich-Generalagentur in Lyss.
«Die Tätigkeit als Generalagent setzt viel Kreativität voraus», erklärt Claude
Wehrli aus Überzeugung. «Diese ist die Basis für einen erfolgreichen Geschäftsgang.
Einerseits hat man als Generalagent viel mit Menschen zu tun, anderseits ist man stets auf der
Suche nach Lösungen im Umgang mit Personal und Kunden. Wenn man optimale Lösungen finden
will, dann geht das in vielen Fällen weit über die Versicherungsthematik hinaus.»
Kunst am Arbeitsplatz
Wenn man moderne Kunst als Leidenschaft bezeichnet und selber Künstler ist, wie Claude Wehrli,
dann versteht es sich von selbst, dass die Kunst auch am Arbeitsplatz eine wichtige Rolle spielt.
Abgesehen von der Kunst, schwierige Fälle zu lösen, versteht es Claude Wehrli, die
Geschäftsräume in Lyss gleichzeitig als Galerie zu betreiben. So werden in den
Büroräumlichkeiten jedes Jahr fünf bis sechs Ausstellungen organisiert, bei denen
die Werke von jungen, noch unbekannten Schweizer Künstlern gezeigt werden. So kommen oft
auch Leute, die (noch) keine Zürich-Versicherung besitzen, in die Generalagentur. Claude
Wehrli ist nicht nur Generalagent und Künstler, er ist ebenso ein kreativer Praktiker und
Marketingstratege.
© Kurt Riedberger, pbr, Dielsdorf
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