Reisereportagen Aldabra
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Das Aldabra-Atoll, ein vergessenes Paradies

Aldabra, das grösste Atoll im Indischen Ozean, gliedert sich in die vier Hauptinseln Picard, Polymnie, Malabar und Grand Terre. Mit ihrer Gesamtfläche von rund 155 Quadratkilometern umschliessen sie eine riesige, von Mangroven gesäumte Lagune. Vier Hauptkanäle durchqueren die Landmassen und füllen, respektive entleeren die Lagune täglich zwei Mal durch Ebbe und Flut. Diese natürlichen Wasserkräfte sind weitgehend für das einzigartige Ökosystem Aldabras verantwortlich.

Auf den ersten Blick präsentiert sich Aldabra abweisend und lebensfeindlich. Ursprünglich vulkanischen Ursprungs, ist das Atoll, das am Rande des Kanals von Moçambique aus den Tiefen des Indischen Ozeans herausragt, wild, hart und rauh. Interessant sind die champignonartigen Formationen, die aus ausgehöhlten Korallenstrukturen bestehen. Aldabra mit seiner eher schroffen Urlandschaft ist der südlichste Teil des Seychellen-Archipels und liegt rund 1200 Kilometer südwestlich von Mahé. Auf den von Buschwald und Sträuchern überzogenen Inseln, die manchmal fast an eine Mondlandschaft erinnern, leben rund 180'000 Riesenschildkröten, die jenen auf Galapagos gleichen.

Seit 1982 unter Unesco-Schutz

Schon vor mehr als hundert Jahren setzte sich Charles Darwin für den Schutz des einzigartigen Naturparadieses ein, weil Seefahrer die riesigen Schildkrötenkolonien rücksichtslos plünderten. «Aldabra», so schrieb auch Sir Julian Huxsly 1970, «is one of the nature's treasures and should be known to the whole world». Zwölf Jahre später, am 19. November 1982, wurde das Atoll durch die Unesco als «World Heritage Site» deklariert, und seither steht es unter dem Patronat der Stiftung Seychelles Island Foundation.

Naturparadies ohne touristische Infrastruktur

Auf Aldabra gibt es keine touristische Infrastruktur, sondern lediglich eine von den Engländern betriebene Forschungsstation, die inzwischen auch geschlossen wurde. Die einfachen Hütten werden heute noch von zwölf Personen (Angestellten der Seychelles Island Foundation) bewohnt. Besucher können das Atoll nur ab Mahé oder von der Küste Ostafrikas aus mit dem Schiff erreichen.
Neben den bereits erwähnten Riesenschildkröten und wilden Ziegen zählen rund 2000 Seeschildkröten zu den «registrierten Einheimischen». In nächtlichen Einsätzen erklimmen sie mühsam den Strand und legen ihre Eier in den heissen Sand des Atolls. Durch die lange Isolierung von den benachbarten Kontinenten hat sich auf Aldabra eine ganze Reihe von seltenen Pflanzen und Vogelarten entwickelt. Ornithologen sprechen davon, dass zwölf Arten und Unterarten von endemischen Vögeln nur hier gefunden werden können. Zu den berühmtesten Raritäten gehören die flugunfähige Weisskehlralle, ein Verwandter des auf Mauritius ausgestorbenen Dodo, und eine Grasmückenart, die beide zu den seltensten der Erde zu zählen sind. Am Strand schliesslich begegnet man überall den farbenprächtigen Riesenkrabben, die mit ihren kräftigen Scheren sogar Kokosnüsse aufbrechen können.

Faszinierende Unterwasserwelt

Trotz dieses Natuparadieses lohnt es sich, in Aldabra den Kopf auch unter die Wasseroberfläche zu stecken, wo den Tauchsportler eine nicht minder faszinierende Unterwasserwelt erwartet. Das riesige Korallenatoll präsentiert sich immer wieder von einer andern Seite. Herrliche bunte Korallenlandschaften wechseln mit Steilhängen an denen mächtige, quadratmetergrosse Gorgonien einen eigentlichen Wald bilden. Riesige Schwärme der unterschiedlichsten Riff-Fische geben in dem durch das klare Wasser schillernden Sonnenlicht ein prächtiges Bild ab. Rotfeuerfische, Clown- und Kugelfische wechseln ab mit furchterregenden Muränen, riesigen Mantarochen und Seeschildkröten. Mit etwas Glück kann man auch eindrückliche Haie erleben, die majestätisch dem Riff entlang patrouillieren. Die Vielfalt an Fischen und Unterwasserpflanzen ist beinahe unerschöpflich und bietet speziell auch dem Unterwasserfotografen einmalige Fotomotive.
Auf dem Weg von Mahé nach Aldabra und zurück wird man stets auch bei den Inseln Desroches, Alphonse, Astove, Cosmoledo und Assumption (sie liegen immer mehrere Schiffsstunden auseinander) einen Tauchstopp einlegen. Auch diese, mit Ausnahme von Desroches und Assumption, unbewohnten Inseln bieten herrliche Tauchgründe, die zu entdecken sich wirklich lohnt. Dabei ist zu beachten, dass an vielen Orten eine sehr starke Strömung den Taucher weit vom Schiff abtreiben kann. An solchen Tauchplätzen ist es am angenehmsten, wenn man sich einfach mit der Strömung treiben lassen kann und nach dem Auftauchen vom Dinghi aufgenommen und zum Schiff zurückgebracht wird.

Mit der Fantasea II ans Ende der Welt

Die 35 Meter lange Fantasea II ist für eine derartige Tauchexpedition sehr gut eingerichtet. Das Platzangebot ist recht grosszügig bemessen, und die technischen Einrichtungen für die Taucher sind optimal. Die freundliche, hilfsbereite Besatzung bietet einen guten Service und sorgt ihrerseits dafür, dass die Tauchexpedition nach Aldabra für alle Teilnehmer in bester Erinnerung bleibt. Mit der Fantasea II, sie ist hochseetauglich und mit bequemen Kabinen ausgestattet, wurde in Mahé zur Expedition in die Gegend von Aldabra gestartet. Dabei waren tägliche Tauchgänge, sei es in Aldabra selber, sei es bei den umliegenden Inseln von Cosmoledo, Alphonse oder Astove, geplant. Das Leben spielte sich auf den Inseln, unter Wasser und an Bord ab. Zwei Wochen lang war man weg von der Zivilisation, ohne dabei auf die Annehmlichkeiten des Bordlebens, mit guter Verpflegung und ruhigem Schlaf, verzichten zu müssen. Der Preis für eine solche Expedition liegt bei rund 16000 Franken pro Person. Diese Reise ans Ende der Welt ist ein faszinierendes Erlebnis, das jedem Tauchsportler und jedem Naturfreund in unvergesslicher Erinnerung bleibt.

Tauchen auf Mahé

Interessante Tauchmöglichkeiten gibt es auch auf der Seychellen-Hauptinsel Mahé. Unmittelbar am wunderschönen Beau-Vallon-Strand ist dem gleichnamigen Hotel ein Tauchcenter der Marine Divers International (Padi Dive Centre) angegliedert. Hier können Feriengäste eine Tauchausrüstung mieten, die Tauchschule besuchen oder verschiedene geführte Tauchgänge (Wracktauchen) unternehmen. Als beste Tauchmonate gelten März bis Mai und September bis November. Es kann aber ohne weiteres während des ganzen Jahres getaucht werden.

© Kurt Riedberger, pbr, Dielsdorf

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