Reisereportagen Island
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In Island werden vermehrt umweltfreundliche Angebote lanciert

Ökotourismus liegt im Trend

Die wilde, weitgehend unberührte Natur, die reine Luft und die riesigen Energiereserven (natürliches, auf der ganzen Insel vorkommendes Heisswasser) sind das wichtigste Kapital Islands. Jetzt ist man sich bewusst geworden, dass diese Ressourcen nicht übermässig strapaziert werden dürfen.

Früher war es keine Seltenheit, dass man vor Einkaufsgeschäften in Reykjavik Autos mit laufendem Motor stehen sah, und zu den Hauptattraktionen zählte der Besuch der Walfangstation im Hvalfjördur. Inzwischen hat das Umweltbewusstsein auch in Island stark zugenommen, und bereits wirkt sich diese Änderung der Grundhaltung auf die touristischen Angebote aus.

Sanfter Tourismus wird gefördert

Der Tourismus ist für Island eine relativ junge Industrie. In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der ausländischen Besucher jedoch mehr als verdoppelt, und der Tourismus hat sich zum zweitwichtigsten Erwerbszweig entwickelt.
Die Firma Landnama (ursprünglich als Beratungsfirma für Tourismus- und Umweltaspekte gegründet) hat deshalb damit begonnen, eigene umweltfreundliche Tourismusangebote zu entwickeln. Auf diese Art sollen die natürlichen Schönheiten und Ressourcen Islands geschont und ein wichtiger Beitrag zu einem umweltverträglichen Tourismus geleistet werden. Landnama engagiert sich für verantwortungsvolles Reisen in kleinen Gruppen, um eine minimale Beeinträchtigung empfindlicher Ökosysteme, von Flora und Fauna zu gewährleisten.
Ausländische Gäste werden nicht nur intensiv über Natur und Umwelt der jeweiligen Ausflüge oder Reisen informiert, sondern vor allem auch über die Geschichte und Kultur der isländischen Bevölkerung. Die Angebote von Landnama, zum Beispiel Reittouren, der Besuch von heissen Quellen, Wanderungen auf den Spuren der Mythologie oder Reykjavik am Abend mit Architektur, Kunst und Kultur, inklusive ein Nachtessen mit Live-Jazz, können in den Hotels oder im Stadtbüro von Landnama (Vesturgata 5, in Reykjavik, Telefon 511 30 50) auch kurzfristig gebucht werden.

Auf den Spuren von «Free Willy»

Noch vor wenigen Jahren wurde Island von Tierschützern und Naturfreunden wegen seiner Walfangpolitik heftig angegriffen. Dies hat sich geändert: Die einstige Walfangstation am Hvalfiördur wurde geschlossen, Keiko, der Hauptdarsteller im Film «Free Willy» in seine ursprüngliche Heimat zu den Westmänner-Inseln zurückgekehrt und seit einiger Zeit werden ab Husavik Walbeobachtungstouren angeboten. Island hat sich nach und nach zum begehrten Reiseziel für Tierfreunde entwickelt.
Die Walbeobachtungstouren werden mit zwei ehemaligen Fischerbooten unternommen, die 1995 zu Beobachtungsschiffen umgebaut wurden. Mit der «Knörrinn» und der «Haukur» werden die Gäste ab Husavik im Norden Islands auf den Atlantik gefahren, wo die erfahrene Besatzung die riesigen Säugetiere fast immer aufspüren kann. Jene Fahrten, bei denen keine Wale gesichtet werden, sind äusserst selten.
Es ist ein unvergessliches Erlebnis, wenn man die Wale aus nächster Nähe beobachten kann. Vielfach handelt es sich bei den Tieren um die bis elf Meter langen und rund zehn Tonnen schweren Zwergwale (bei 97% der Fahrten). Oft sind es auch die über zwanzig Meter langen und bis siebzig Tonnen schweren Finnwale (bei rund einem Drittel aller Fahrten) sowie Buckelwale (15%) und Delfine (34%), die ein tolles Naturerlebnis vermitteln.

Islands reizvoller Norden

Die Walbeobachtungstouren lassen sich ideal mit einem Aufenthalt in Akureyri, der Metropole des Nordens, kombinieren. Mit ihren rund 14000 Einwohnern ist Akureyri die zweitgrösste Stadt der Insel und gleichzeitig ein wichtiges Handels- und Kulturzentrum. Die nur 70 Kilometer vom Polarkreis entfernte Stadt verfügt über einen bemerkenswerten botanischen Garten, in dem sogar südliche Pflanzen blühen. Während der langen Winternächte kann hier das faszinierende Schauspiel des Nordlichts besonders gut beobachtet werden.
Mit Tagesausflügen können der idyllisch auf einer von riesigen Lavafeldern umgebenen Hochebene liegende Myvatnsee (mit 150 000 Enten in 17 verschiedenen Arten) oder die eindrücklichen Felsformationen der Dimmuborgir, den dunklen Burgen, besucht werden. Bei der an eine wilde Mondlandschaft erinnernden Gegend handelt es sich um einen ehemaligen Explosionskrater mit erstarrten Lavaformationen.
Sehenswert sind auch die Schlammvulkane und Solfatarenfelder von Namaskard. Sie beeindrucken durch ihren Farbenreichtum, der durch Eisenoxide und Schwefel hervorgerufen wird. Blubbernd kocht der blaugraue Schlamm in den Kraterlöchern und vermittelt dem Besucher einen fast unheimlichen Eindruck von den Hochtemperatur-Aktivitäten in diesen Regionen des jungen Vulkanismus. Selbstverständlich gibt es auch im Norden Islands zahlreiche Flüsse und grosse Wasserfälle. Zu den berühmtesten gehören der Godafoss (der Götterfall) sowie der Dettifoss, der wasserreichste Fall Europas, dessen Wasser 44 Meter in eine tiefe Schlucht hinabstürzt. Islands Norden ist ein Paradies für Geologen, Ornithologen und Naturfreunde.

Kurzreisen im Winterhalbjahr nach Reykjavik

Während der Wintermonate offeriert die Icelandair preiswerte Städteflüge nach Reykjavik, der attraktiven Hauptstadt im hohen Norden. Island während der Wintermonate entwickelt sich je länger je mehr zu einem Geheimtipp für aktive Individualreisende. Das überrascht nicht, wenn man die Angebote etwas genauer unter die Lupe nimmt. Vom Jeep-Erlebnis für Selbstfahrer über Snow-Scooter-Fahrten im Schnee bis zu den zwei- und dreitägigen Anschlusstouren, beispielsweise nach Akureyri oder ins Hochland, gibt es ein breit gefächertes Angebot. Empfehlenswert ist ein Besuch in der «Blauen Lagune», wo man im Freien in warmem Geothermalwasser schwimmen kann. Dank der heissen Quellen ist das Baden auch im Schwimmbad in Reykjavik während des Winters unter freiem Himmel möglich ­ ein ganz spezielles Erlebnis.
Der Aufenthalt in Reykjavik kann individuell gestaltet werden, wobei den Gästen verschiedene Ausflüge angeboten werden. Faszinierend ist eine Fahrt zum grossen Geysir und zum Gullfoss, dem prächtigen Wasserfall, der sich im Winter besonders reizvoll präsentiert. In den Restaurants der festlich erleuchteten Hauptstadt kann man ausgezeichnet essen, und die vielen Geschäfte laden zu einem Einkaufsbummel ein. Island hat dem Gast auch während der Wintermonate einiges zu bieten. Und dank dem Golfstrom liegt die Durchschnittstemperatur in Reykjavik im Januar bei 0 Grad Celsius, sie ist damit ähnlich wie jene in Zürich!

© Kurt Riedberger, pbr, Dielsdorf

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